2016/11/07

Surrounded by red velvet curtains


Gespannt sitzen wir auf den Stühlen mit den roten, weichen Kissen in dem alten Saal, etwas außerhalb der Innenstadt. Überall murmeln noch die Menschen, auf der Leinwand prangt das große Logo. Dann wird es endlich dunkel und es geht los - der für uns erste Film auf dem DOK Leipzig, dem Dokumentar- und Animationsfilmfestival.
Mein erstes Filmfestival hätte besser nicht sein können. Vier Tage hieß es für mich und meine Kommilitonen sich in die weichen Sitze zu kuscheln, sich von der Leinwand in eine andere Welt leiten zu lassen und nebenbei aufgeregt am Popcorn zu knabbern. Elf Filme haben mich gefesselt wie andere lange nicht mehr. Mehr als ein Mal hatte ich Tränen in den Augen, viele Male habe ich herzlich gelacht, einige Male war ich erschrocken und unzählige Male auch glücklich gerührt. 
Unser Programm für die Tage durften wir uns selber und individuell zusammenbasteln und das stelle sich als eine sehr große Herausforderung heraus: 1. Hermine wollte uns ihren Zeitumkehrer nicht leihen und so mussten wir uns leider schweren Herzens entscheiden, wenn zwei gute Filme gleichzeitig liefen. 2. Wie viele Filme kann man in 24 Stunden kloppen? 3. Wie schnell kann man in einer halben Stunde von Kino 1 zu Kino 2 kommen, wenn diese über 2 km auseinander liegen?

Das magische am Festival war die Atmosphäre im Kino. Ob ein riesiger voller Kinosaal oder ein kleines gemütliches Altstadtkino - am Ende eines Films brach tosender Applaus aus und niemand stand auf bevor die Credits komplett durchgelaufen waren. Ein anschließendes Q&A der Filmemacher ließ uns den Film noch mal von einer ganz anderen Seite betrachten und war eine große Inspiration für uns alle. 
Von einer Dokumentation über Mattress Mick, der seinen Matratzenladen in Irland durch YouTube Videos publik machen will (googlet doch mal "I'm back with a bang mattress song" - Spaß ist euch garantiert) bis hin zu dem schockierenden Film "The War Show", in dem eine syrische Journalisten von den Aufständen in Damaskus erzählt, war das Programm breit gefächert.
Auch die eventuelle Zukunft des Kinos wurde uns vorgestellt und so konnte ich mit einer Virtual-Reality-Brille den Alltag eines Menschen mit sozialer Phobie miterleben und mich in seiner Welt wortwörtlich umsehen. Super spannend und etwas gruselig zu gleich, denn beobachtet man die Menschen mit den technischen Brillen, wirken sie ganz ganz weit weg, als wären sie irgendwie doch in einer anderen Welt. 

Mein erstes Filmfestival und ich hätte noch Tage lang weiter Filme gucken können. Denn was gibt es schöneres als sich an einem verregneten Tag in die weichen Stühle sinken und sich auf der Leinwand eine Geschichte erzählen zu lassen? 

Film-Empfehlungen: 

Streetart. Die vergängliche Revolution (Anne Bürger, Benjamin Cantu) 
Ein inspirierender Film über Streetart in Berlin, Paris, Moskau und Co. 

Cheer Up (Christy Garland)
Eine komische und trotzdem sehr berührende Dokumentation über das schlechteste Cheerleader-Team in Finnland. 

The War Show (Andreas Dalsgaard, Obaihda Zytoon)
Ein schockierender Film über den arabischen Frühling und die Aufstände in Syrien, der nichts für schwache Nerven ist. 



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